„Mit welcher Kamera fotografiere ich?“

von Dieter Horak / im Juli 2020

Nun, aktuell benutzte ich die Fuji X-T3 und fühle ich mich endlich angekommen. Der Weg dahin war lang, er begann 1972 nach den Olympischen Spielen mit der „Pentax ES“, der ersten Kamera mit Zeitautomatik, zusammen mit den legendären „SMC Takumaren“ (Super Multi Coated), diese Objektive waren damals absolute Spitze – in den folgenden Jahrzehnten wurde Pentax allerdings von Canon und Nikon deutlich überholt und abgehängt…
2007 begann für mich das digitale Zeitalter, aus alter Tradition mit einer Pentax, der K10 (10 Megapixel) und ab 2012 mit der Pentax K5 (16 Megapixel). Schon damals gab es heftigste Diskussionen ob die Auflösung der Objektive ausreicht um mit der „ungeheuren“ Auflösung von 16 MP der neuen Sensoren mithalten zu können – das Thema ist auch noch heute aktuell, auf wesentlich höherem Niveau (~ 48 MP bei Kleinbild). Da werden nun die Objektive mit ausreichender Auflösung langsam unerschwinglich...
Und nun die Überlegungen, warum habe ich mich für die Fuji X-T Serie entschieden habe:

XT3+XF35
XT3+XF35
1. Die Entscheidung für eine spiegellose Systemkamera
Mein Berufsleben habe mit Leidenschaft in der Entwicklung digitaler Messtechnik verbracht, und so ist es nicht verwunderlich das mir der Drang zur Präzision quasi im Rückenmark sitzt. So gut die klassischen, digitalen Spiegelreflex Kameras auch sind/waren, beim Fokussieren gibt es ein systembedingtes Problem: die Fokus-Einheit sitzt im Strahlengang des Suchers, der Bild-Sensor ist davon losgelöst an der Stelle des früheren Filmes. Diese Positionen müssen aufeinender abgeglichen sein. Das mag bei den sehr teuren Profimodellen präzise der Fall sein, in der Mittelklasse jedoch sprach man aber ständig von Front- oder Backfokus, d.h. das was im Sucher scharf ist liegt ein bisschen vor oder hinter dem Sensor. Meine Pentax K5 ermöglichte dann objektivabhängige Feinjustierung des Fokus – Stunden verbrachte ich mit dem Abgleich - aber das Ergebnis passte einfach nicht => das musste sich ändern! Und dann kam mit den spiegellosen Systemkameras der Durchbruch. Die Phasen- und Kontrast-Sensoren zum Fokussieren sitzen mitten zwischen den Bild-Pixeln auf der gleichen Ebene – wenn diese scharf sehen, sitzt der Fokus! So eine Kamera musste ich unbedingt haben!

2. APS-C oder Kleinbild Format
Das Maß aller Dinge war 2016 die damals für mich unerreichbare SONY A7 II im Kleinbildformat.
Und dann kam Fuji mit der X-T2 im APS-C Format (halbe Kleinbild Sensor Fläche) auf den Markt. Ich bekam den Tipp mir diese genauer anzusehen und ließ mir Zeit, über ein halbes Jahr habe ich Vergleiche und Testberichte verschlungen. Meine Erkenntnis war: die Bildqualität nahezu ebenbürtig, erst bei low-light Fotografie mit hohen ISO war Kleinbild etwas besser. Lw Light ist nicht mein Thema, also reicht die X-T2 für mich aus.
Was zusätzlich den Ausschlag in Richtung Fuji und APS-C Format gab, war das Gewicht der Objektive.
Kleinbildobjektive müssen im Vergleich zum APS-C Format eine um den Cropfaktor 1,5 größere Fläche abbilden. Das bedeutet größere Linsen-Durchmesser und damit mehr schweres Glas und Metall. Mit Kleinbild-Objektiven vergleichbare APS-C Brennweiten wogen damals gut um die Hälfte weniger und hatten mindestens ebenbürtige Auflösung.
Beispiel: dem 70-200mm/F2.8 im Kleinbildformat entspricht das 50-140mm/F2.8 in APS-C-Format, dieses wiegt gerade mal 900g inkl. Bildstabilisator.
Da ich es im Kreuz habe war das für mich das entscheidende Kriterium! Meine Lieblings-Kombi ist derzeit die Fuji X-T3 mit dem XF35/F1.4 (35mm ist die Normalbrennweite bei APS-C). Gehäuse mit Batterie und Objektiv wiegen zusammen gerade mal 744g . Das XF35 ist schon bei F1.4 randscharf und macht ein schönes Bokeh.
Um die gleiche Auflösung (Linien pro Bildhöhe) wie die Objektive für den Kleinbild-Sensor zu erreichen, müssen die APS-C Objektive allerdings um den Faktor 1,5 schärfer auflösen, und das können die Fuji XF Objektive, sie spielen in obersten Liga mit!

B Radius 8 Smoothing 4b
3. Live-View & Auslösen
Als Brillenträger liebe ich den Live-View auf dem Monitor, da habe nicht, wie beim Blick durch den Sucher Abdrücke auf dem Brillenglas, nur bei extrem heller Umgebung nutze ich den Sucher.
Schon die Pentax K5 hatte Live-View, aber, zwischen Auslösen und Aufnahme verstrichen bei der Pentax K5 gerne mal 1,5-2 sec weil erst der Spiegel hochgeklappt, scharf gestellt und wieder abgesenkt werden musste … die meisten Szenen waren dann schon vorbei. Bei der X-T2 und XT-T3 wird sofort ausgelöst, auf Wunsch auch lautlos mit dem elektronischen Verschluss.

C Smoothing 4b
4. Klappbarer Monitor
Für mein fortgeschrittenes Alter sind bodennahe Aufnahmen, bei denen man, um durch den Sucher zu blicken, eigentlich auf dem Bauch liegen müsste, recht schwierig weil ich danach nur schlecht wieder hochkomme (Kreuz!).
Mit der Fuji X-T2 / X-T3 ist das kein Problem: Monitor ausklappen und Kamera auf den Boden stellen. Das Scharfstellen ist ebenso einfach: unter 425 über das ganze Bild verteilten Fokuspunkten kann ausgewählt werden ohne die Kamera verschwenken zu müssen. Das geht fix mit dem kleinen Joystick und bei der X-T3 auch sofort per Touchscreen.

Focus Stacking Hauswurz
5. Bedienbarkeit
Aus der früheren analogen Zeiten sind mir Filmempfindlichkeit (früher in DIN/ASA, jetzt ISO), Blende und Zeit wohl vertraut. Bei vielen digitalen Spiegelreflex-Kameras sind diese Parameter gut in diversen Menüs/Untermenüs versteckt.
Die Fuji X-T Kameras haben ja einen gewissen „Retro-Look“. Wie ich es aus der „guten alten“ analogen Zeit gewohnt bin, gibt es für Zeit und ISO direkt und schnell zugreifbare Einstellrädchen.

6. Zuckerl & etwas Kritisches
Meine Fuji X-T3 hat noch viele weitere, kleine Nettigkeiten:
• Viel Spaß machen mir die Bracketing-Möglichkeiten. Neben den für mich eher seltsamen Modi, wie ISO/Filmsimulation/Weißabgleich/Dynamikbereich Bracketing gibt es natürlich die klassische Belichtungsreihe und das geniale Fokus-Bracketing – bei unbewegten Motiven im Makrobereich eine Offenbarung!
• Bei Serienbildaufnahmen gibt es während der Belichtung keine Dunkelpause im Sucherbild => so wird Mitziehen leicht gemacht.
• Die Autofokus-Tracking-Funktion führt den Fokus nach, auch wenn sich das Motiv innerhalb des Sucherbildes hin- und herbewegt. Praktisch ausprobiert habe ich es bei einem Springreitturnier in Kombination mit Serienbildaufnahme: den Kopf der Pferdes anvisiert, welches über ein Hindernis schräg auf mich zu sprang und dann mitgezogen => das Zaumzeug war auf allen Bildern scharf. Auch bei den fliegenden Basstölpeln vor Helgoland hat es funktioniert, damals noch mit der Fuji X-T2.
• Toll ist, das eigentlich alles konfigurierbar ist, gefühlte 400 Menüpunkte lassen alles zu, von der Gestaltung der Sucher/Monitor Anzeige (was alles gezeigt werden soll) bis hin zur Belegung der diversen Funktionstasten und Einstellrädchen und der Schnell-Menü Inhalte…
Aber das zu Beherrschen dauert seine Zeit - ich hatte die ca. 80%, die ich davon gelegentlich nutze, erst nach einigen Wochen so einigermaßen im Griff. Geholfen haben mir ausführliche YouTube Tutorials in denen die Einstellungen und deren Wirkung/Nutzen erläutert werden… aber zur Not gibt es ja auch die ISO-/ZEIT- und Blenden-Automatik ;-)

Ein wenig Schatten gibt es auch:
• Fuji ist (noch?) nicht Mainstream. Brauchbare Objektive von 3rd Party Herstellern gibt es so gut wie nicht, außer man geht über Adapter und akzeptiert dass Blende und Schärfe manuell einzustellen sind. Die Optiken von Fuji sind richtig gut, aber leider kein Schnäppchen.
• Es gibt auch einen grundsätzlichen Nachteil der spiegellosen Systemkameras im Vergleich zu klassischen analogen oder digitalen Spiegelreflexkameras:
• Da der Sensor auch vor der Aufnahme in Betrieb ist um ein Sucher/Monitor Bild zu erzeugen, wird ordentlich Akku-Strom verbraucht, am Meisten wenn ich den Monitor bei Tageslicht auf ganz hell stelle. Bei normalem Betrieb (= gelegentlich ein Bild) komme ich mit einem Akku auf ca. 400 Bilder an einem halben Tag. Für Expeditionsreisen mit eingeschränkter Lademöglichkeit könnte dies ein relevantes Thema sein – aber diese Reisen mach’ ich nicht mehr…

Seid gegrüßt,
Dieter Horak

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